Daniela

Daniela Meyer: "Mit verbaler Ellenbogentaktik gegen Schubladendenken"

Daniela Meyer (Jahrgang 1980), Director Customer Service, Sykes Enterprises
Branche: Dienstleistung, Outsourcing
Verantwortlich für: zirka 270 Agenten und 30 Führungskräfte
Tätigkeitsschwerpunkte: Führungskräfteentwicklung, Kundenmanagement, Budget-Verantwortung


Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst und inwiefern?
Als ich in Wismar bei einem Call Center angefangen habe und für einen kleinen Standort verantwortlich war, wurde ich quasi ins kalte Wasser geworfen. Es war Segen und Fluch zugleich, denn diese Position hat mich voran gebracht, aber auch alles von mir abverlangt. Ich hatte und habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich wollte die Prozesse optimieren, die Mitarbeiter unterstützen, erfolgreich arbeiten usw. Das Knowhow eignete ich mir überwiegend selbst und mit Hilfe von Kollegen an – mit viel Ehrgeiz. Es war eine intensive und anstrengende Zeit. Nach vier Jahren habe ich entschlossen, mich neu zu orientieren. Es war die zweite wichtige Entscheidung meiner beruflichen Laufbahn. In dieser Zeit kam Oliver Noll mit einem sehr interessanten Stellenangebot bei Sykes Enterprises auf mich zu.

Gleich oder unterschiedlich? Wie erleben Sie die Behandlung und die Zusammenarbeit von Frauen und Männern im beruflichen Umfeld?
Es gibt definitiv Unterschiede und leider sind auch viele vermeintliche Klischees wahr: Frauen verdienen oft weniger für die gleiche Arbeit. Einer attraktiven Frau traut man fachlich weniger zu. Männer finden in Meetings oft besser Gehör. Mitarbeiter vertrauen sich eher Frauen an. Ich habe alles schon erlebt, aber natürlich nicht jeden Tag und man darf es auch nicht verallgemeinern.

Welche Erfahrungen machen Sie als Frau in der Führungsposition?
Meine Erfahrung zeigt: Je länger man zusammenarbeitet, umso mehr gleicht es sich aus. Mittlerweile stelle ich keine so großen Differenzen zwischen mir als weiblicher Führungskraft und meinen männlichen Kollegen fest. Natürlich sind die Blickwinkel oft unterschiedlich oder auch die Herangehensweise an Themen und Problemen. Aber klassisches Schubladendenken erlebe ich nur noch selten. Das kann ich dann auch gut ignorieren bzw. setze schon mal verbale Ellenbogentaktik ein. Das eigene Auftreten ist oft ausschlaggebend wie man wahrgenommen oder wie mit einem umgegangen wird. Wer souverän und selbstbewusst agiert, wird seltener Probleme haben.

Do and Don’t: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Beruflich nicht stagnieren sondern immer weiterentwickeln. Seminare besuchen, qualifizieren, Fachliteratur nutzen, sich jederzeit mit Kollegen und Mitarbeitern über gegenwärtige Themen austauschen und mit den Vorgesetzen über Perspektiven sprechen. Wenn es dennoch in dem aktuellen Unternehmen weder fachlich noch in der Hierarchie vorangeht, dann sollte man schauen, welche Ziele man hat und wie sich diese mit den gegenwärtigen Alternativen vereinbaren lassen. Und wenn wir uns entschieden haben, dann diesen Weg auch konsequent gehen. Es hört sich banal an, aber wir Frauen lassen uns oft in unserem Handeln oder auch Denken beirren. Das schürt Unsicherheit und lässt uns Dinge, die wir eigentlich schaffen könnten, nicht machen. Wir sollten uns nicht zu sehr an anderen orientieren, sondern auf uns selbst schauen.

Was können Unternehmen besser machen?
Sie sollten das alte, konservative Rollendenken endlich begraben. Mann gleich Chef, Frau gleich Assistenz … Das Geschlecht sollte überhaupt kein Thema sein. Viele Personaler haben das mittlerweile verstanden. Aber die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung in der Gesellschaft oder auch in großen Unternehmen darf ruhig schneller vorangehen.
Außerdem sollte jeder jedem mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen und zwar auf allen Ebenen. Ab einer gewissen Position scheinen das manche zu vergessen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung, erfolgreich zu sein/zu bleiben?
… mit der schnelllebigen Zeit und Entwicklung mitzugehen. Der Führungsstil ändert sich genauso wie die Ansprüche und Erwartungen der Mitarbeiter, Kollegen, Kunden. Ich möchte unbedingt den guten Draht zu meinen Mitarbeitern halten, Wertschätzung und Anerkennung geben und bekommen. Das schafft Motivation und ganz besonders gemeinsamen Erfolg.

Zurückgedacht: Was wollten Sie früher werden und wie stehen Sie heute dazu?
Bereits seit meiner Kindheit habe ich eine große Leidenschaft für Pflanzen und wollte immer einen eigenen Blumenladen haben. Von diesem Wunsch bin ich heute deutlich entfernt – obwohl, ein eigenes Geschäft hat ja auch mit Verantwortung und Führen von Mitarbeitern zu tun. Also gibt es doch Parallelen zu meinem jetzigen Job.

Mit Ihren Worten: Was wollen Sie außerdem gerne zum Thema Frauen und Karriere sagen/raten/sich wünschen…?
Jeder kann selbst entscheiden, ob er ein Klischee leben oder widerlegen möchte.


Anette Wandel: "Homeoffice ist in Unternehmen oft noch ein Rotes Tuch"

Anette Wandel (geb. 1980), Leiterin Kundencenter in Berlin. Unternehmen: Deutsche Post Customer Service Center GmbH, Verantwortung für ca. 300 Mitarbeiter.


Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst und inwiefern?
.... die Entscheidung, während meines Vollzeitjobs bei airberlin, ein Abendstudium BWL zu absolvieren. Nachdem ich meine Diplomarbeit über das Outsourcing von Customer Service Dienstleistungen geschrieben hatte, konnte ich mich in diesem Bereich spezialisieren und war später für die externen Call-Center-Dienstleister verantwortlich. Mein damaliger Chef erkannte, dass er mir eine Entwicklungsmöglichkeit geben musste, um mich im Unternehmen zu halten. Insgesamt war ich 16 Jahre im Unternehmen.

Gleich oder unterschiedlich? Wie erleben Sie die Behandlung und die Zusammenarbeit von Frauen und Männern im beruflichen Umfeld?
Unterschiedlich. Die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen ist häufig sehr sachlich geprägt und wenig emotional, was ich sehr schätze. Wir Frauen sind dagegen feinfühliger und achten auf kleine, wichtige Details. Diese wichtigen Eigenschaften können wir uns für den beruflichen Erfolg zunutze machen, wenn wir dabei darauf achten, fokussiert die Dinge anzugehen und dabei lösungsorientiert arbeiten. Was die Behandlung von Männern und Frauen angeht, da habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Positiv ist, ich werde als Führungskraft nicht anders behandelt. Negative Begebenheiten gab es trotzdem z. B. als ich zu einem großen Meeting mit der Geschäftsleitung und Vorständen den Raum betrat. Da rief mir ein Kollege zu was ich für ein „tolles Kleid trage“. Diese Situation empfand ich als äußerst unpassend und es war mir peinlich. Einen Mann würde man so nicht begrüßen. Ich ärgere mich, dass ich nicht schlagfertig war.

Welche Erfahrungen machen Sie als Frau in Führungsposition?
Positionen ab dem mittleren Management werden von männlichen Kollegen dominiert. Oftmals war und bin ich die einzige Frau oder mit nur sehr wenigen weiblichen Kollegen im Führungskreis vertreten. Da habe ich gelernt, dass es wichtig ist, sich durch Fach- und Kommunikationskompetenz Respekt zu erarbeiten und selbstbewusst aufzutreten. Wir Frauen müssen darauf achten, sachlich argumentativ Diskussionen zu führen. Zusätzlich erachte ich die Stimme, Sprechweise und Körpersprache als sehr wichtige Instrumente. Diese setze ich bewusst ein, um je nach Situation Aufmerksamkeit zu erhalten, durchsetzungsstark zu sein oder auch um Respekt zu bekommen. Das funktioniert sehr gut, braucht aber auch eine gewisse Eigendisziplin.

Do and Don’t: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Do: Bildung, präsent sein, sich etwas zutrauen, beispielsweise in Projektarbeiten sich hervortun. Auch Mut zur neuen Herausforderungen haben. Wir Frauen hinterfragen uns zu schnell. „Kann ich das überhaupt?“ Außerdem ist Networking sehr wichtig. Ein gutes Netzwerk innerhalb und außerhalb der Company macht es leichter, Themen voranzubringen und als Führungskraft respektiert und anerkannt zu sein. Außerdem helfen ein gutes Stakeholder Management und das Bewusstsein für Stärken schaffen, diese ausbauen und im täglichen Job zunutze machen.
Don’t: Passivität, schlechte Priorisierung, zu viel Emotionalität und Selbstzweifel

Was können Unternehmer besser machen?
Den Einklang Job und Familie verbessern. Gerade für Frauen in Führungspositionen ist es unglaublich schwer, Familie und Karriere zu verbinden. Stichworte Homeoffice und Teilzeit sind für viele Unternehmen noch ein Rotes Tuch. Auch der Wiedereinstieg nach der Geburt eines Kindes ist ungleich schwerer als bei Männern. Kaum eine Frau kann wieder in ihrem alten Job arbeiten, da Teilzeitmöglichkeiten nur selten bestehen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung, erfolgreich zu sein/zu bleiben?
Es ist eine Mischung aus: flexibel zu sein und sich schnell auf unterschiedliche Herausforderungen einstellen zu können, ideenreich Lösungen erarbeiten und Mut haben, Entscheidungen zu treffen. Gute Personalführung ist dabei für mich ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt. Um Erfolg zu haben, ist ein gut funktionierendes Team und Vertrauen unabdingbar. Weiterhin bewusst machen: Rückschläge können auch mir passieren und bedeuten keinen Weltuntergang. Wichtig ist daraus lernen und etwas mit zunehmen. Wir Frauen nehmen Fehler bzw. Rückschläge schnell zu persönlich.

Zurückgedacht: Was wollten Sie früher werden und wie stehen Sie heute dazu?
Ich wollte Reiseverkehrskauffrau werden und habe diese Ausbildung auch gemacht. Aber ich hatte keine konkreten Vorstellungen von meiner Karriere. Dann kam das BWL-Studium und ich bin absolut zufrieden mit meinem Werdegang.

Mit Ihren Worten: Was wollen Sie außerdem gerne zum Thema Frauen und Karriere sagen/raten/sich wünschen…?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Selbstbewusst müssen wir uns unsere Stärken bewusst machen, sie bewusst einsetzen, auch mal ein Risiko eingehen und bloß nicht immer so verrückt machen. Wir sind zu oft zu selbstkritisch – das mündet in Unsicherheit und Selbstzweifel. Ich kann nur raten, gelassener an Dinge heranzugehen. Habt Mut und traut euch mehr zu!


Zarmina Penner

Zarmina Penner: "Das Mann-Frau-Denken ist mir fremd"

Zarmina Penner (geb. 1961), Business & Personal Coach sowie Autorin im Interwiew mit WomenInWork.de.

Sie interessieren sich für Architektur, haben Medizin studiert und arbeiten heute als Business Coach. Wie passt das zusammen?

Mein beruflicher Lebensweg ähnelt einem Zickzackkurs, denn ich habe lange gesucht, bis ich das fand, was mich nicht mehr loslässt. Als ich mit 17 in meiner Heimat Afghanistan mit der Schule fertig war, sprach mich Architektur an. Familiäre Umstände führten dazu, dass ich stattdessen Medizin studiert habe. Damals war das eine fremdbestimmte Entscheidung und ich habe mich nicht gewehrt. Ende der Siebziger floh ich nach Deutschland. Das ist für mich positiv besetzt, auch wenn es eine große Veränderung in meinem Leben war. Ich lernte schnell Deutsch und beendete mein Medizinstudium. Mein abgestecktes Ziel war die Frauenheilkunde als Fach zu meistern, konnte die Welt der Schulmedizin jedoch nicht ausreichend nachvollziehen, um dort zu bleiben. Ich wollte mehr für die Patienten, Mitarbeiter und auch Ärzte tun. Nach der Approbation und zusätzlich gewappnet mit einer Medizin-Informatik-Ausbildung, einem Master of Business und einem Master in integrativen Gesundheitswissenschaften habe ich versucht, im Rahmen von Kundenprojekten Unstimmigkeiten in den Krankenhäusern systematisch zu optimieren. Der Erfolg war, zumindest in meinen Augen, mäßig.

Woran scheiterten Ihre Pläne?

Prozessoptimierung ist im Sinne der Patienten praktisch unmöglich, da der Patient nicht im Mittelpunkt steht. Das ist leider so. Der Dreh- und Angelpunkt der Prozesse liegt fast immer woanders, nämlich bei den mächtigsten Involvierten und bei den teuersten Ressourcen. Die Schulmedizin funktioniert, wenn es um Lebensgefahr geht. In allen anderen Fällen ist der Patient oft abhängig und machtlos gegenüber dem System. Dennoch prägt die Medizin bis heute meine Denkweise, auch wenn ich lange nicht mehr als Ärztin tätig bin. Mir sind Heilung von Krankheiten, Gesundheit, Lebensqualität und Wohlgefühl wichtig. Diesen Zustand bei Menschen widerherzustellen, ist meines Erachtens die urärztliche Aufgabe.

Wie vereinen Sie Ihre Kenntnisse der klassischen Medizin mit Ihren Ansichten und Vorstellungen?

Ich habe in den letzten 20 Jahren meine eigene Methodik entwickelt. Meine Faszination gilt der Transformation. Ich liebe es, Dinge, die noch nicht stimmen, ganzheitlich zu einem neuen fließenden, funktionierenden und sinnvollen Ganzen zu bringen. Es hat mit Heilen, mit Problemlösung, mit Architektur, mit Wohlgefühl und mit Menschen zu tun.

Was machen Sie heute?

Ich betreue Unternehmen, Teams, aber auch einzelne Manager im Leben. Ich nenne meine Arbeit Business und Personal Coaching. Mein Buch, das 2018 erscheinen wird, heißt „The Art of Business Transformation and Transformational Leadership“, also die Kunst der Veränderung und der Führung. Transformative Führung ist eine Kunst, die man erlernen kann, daher das Buch. Es ist in Englisch, die Sprache, die mir neben Deutsch am nächsten ist, geschrieben. Die deutsche Ausgabe folgt. Ich liebe es zu schreiben.

Spielte es jemals eine Rolle in Ihrer beruflichen Laufbahn, dass Sie eine Frau sind?

Nein, die Wahl der verschiedenen Stationen auf meinem beruflichen Weg hatte nie etwas mit meinem Geschlecht zu tun. Ich habe den Kurs gewechselt, wenn ich das Gefühl hatte, ich vergeude wertvolle Lebenszeit. Langeweile, Unwohlsein und gefühlte Sinnlosigkeit waren da gute Motivatoren. Oft war der Kurswechsel gegen die Auffassung nahstehender Menschen. Ich habe mir zwar alle Meinungen angehört, aber mir nicht die letzte Entscheidung nehmen lassen.

Sie stammen auf Afghanistan und kennen auch die deutsche Kultur. Glauben Sie, dass die Frauen-Männer-Diskussion in der Arbeitswelt kulturell begründet ist?

Meine ursprüngliche Prägung ist, dass Frauen das stärkere Geschlecht sind. Das Mann-Frau-Denken ist mir daher grundsätzlich fremd. Ich denke, wir Frauen haben eine ganze Reihe von Fähigkeiten, die uns sanft und stark zugleich machen. Das sind Fähigkeiten wie Sensibilität, Aufnahmefähigkeit, empathische Führung, das Verstehen von komplexen Zusammenhängen und gutes Zuhören. Wir Frauen müssen so Vieles zusammenhalten und fortsetzen. Die Natur will es so. Viele Einflussfaktoren spielen meines Erachtens bei der Frauen-Männer-Diskussion eine Rolle, insbesondere der Kontext und die Kultur des Elternhauses. Kinder beobachten ihre Eltern und bilden ihre innere, geistige Bibliothek an Glaubensätzen, Prinzipien und Klischees.

Was meinen Sie mit der „geistigen Bibliothek“?

Kinder beobachten: Wie gehen die Eltern mit einander um? Wer macht was? Wer arbeitet? Hat der Vater Respekt und Hochachtung vor der Mutter und umgekehrt? Was ist die Definition von Höflichkeit? Welche Werte gelten? Was darf ich als Junge oder Mädchen tun bzw. nicht tun? Wird mir zugehört? Werde ich validiert und anerkannt? Wie ist das Weltbild der Eltern? etc. Die späteren Erwachsenen verhalten sich entsprechend dieser inneren Bibliothek. Ein Teil dieser Bibliothek betrifft den Umgang mit dem anderen Geschlecht und so setzt sich alles unbewusst fort. Mit etwas Disziplin und Hingabe kann man die innere Bibliothek, sein Denken und Verhalten bewusst ändern. Unser Gehirn ist jederzeit formbar. Andere Menschen kann man nicht ändern. Das geht nicht. Es ist einfacher, einen passenderen Kontext zu suchen, als einen unpassenden zu ändern. Die Änderung einer Kultur ist praktisch unmöglich.

Dann wären die Menschen ihrer Kultur quasi ausgeliefert. Angesichts der derzeitigen politischen Weltlage klingt das besorgniserregend.

Das wäre ein mögliches Zukunfts-Szenario, ja. Die Zukunft ist aber formbar. Man kann Kulturen nicht so leicht ändern, aber man kann in einer Kultur einen guten Kontext schaffen. Das hat mit transformativer Führung zu tun. Eine gute Führungskraft kann die guten Aspekte einer Kultur in den Vordergrund stellen and als Vorbild mit den nicht so guten Aspekten richtig umgehen. Die anderen machen es nach. Eine solche Figur zu finden, die Respekt, Hochachtung und den Willen einem guten Beispiel zu folgen in Menschen auslöst, ist nicht einfach. Andererseits nichts ist unmöglich. Es gab in meiner ursprünglichen Heimat den letzten afghanischen König, Nadir Shah, der diese Rolle bis 1973 innehatte. Er hat lange den passenden Kontext für das afghanische Volk geschaffen. Erst danach fingen die Unruhen an, die bis heute anhalten.

Demnach hat Führung hat nichts mit dem Geschlecht für Sie zu tun?

Meines Erachtens spielt der Charakter eine größere Rolle als das Geschlecht. Schwache, gestörte Charaktere neigen dazu, andere zu misshandeln, privat und beruflich. Wenn man den Statistiken Glauben schenken möchte, dann ist der Anteil von Männern, die andere, vor allem Frauen, misshandeln, schon größer. Die Misshandlungen sind haben viele Facetten, von psychisch bis körperlich, kaum merkbar bis offensichtlich. An dieser Stelle müssen wir mehr Transparenz schaffen. Hier lohnt die Auseinandersetzung. Man muss lernen mit diversen Charaktervarianten adäquat umzugehen. Manipulative bzw. narzisstische Charaktere kommt bei beiden Geschlechtern vor. Man muss die Anzeichen erkennen und sich entsprechend verhalten. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig.

Wie haben Sie Frauen und Männer im Berufsleben erlebt?

Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Auf meinem Karriereweg hatte ich viele ausgezeichneten Mentoren, wovon die allermeisten Männer waren. Frauen haben sich oft als Gegner und Konkurrenten entpuppt. Irgendwann habe ich aufgehört, Unterstützung durch Frauen zu erwarten. Das war vor allem in den 80er und 90er Jahren der Fall. Das hat sich in den letzten Jahren erheblich geändert. Vor allem im internationalen Kontext habe ich tatkräftige Unterstützung durch intelligente, erfolgreiche und weise Frauen erfahren.

Dennoch gibt es große Unterschiede, insbesondere ist der weibliche Anteil im höheren Management deutlich geringer als der der Männer.

Es gibt sicher mehr Männer in Führungspositionen als Frauen und es kann gut sein, dass sich unter Männern Lobbys bilden, die den Weg einer Frau erschweren könnten. Ich denke, auch Männer finden die Verständigung unter ihresgleichen einfacher. Wir Frauen tragen zur Problematik dann bei, wenn wir nicht zu unseren natürlichen Stärken stehen, keine klaren Entscheidungen treffen und uns von außen definieren lassen. Dafür müssen wir selbst die Verantwortung nehmen.

Was können Frauen besser machen?

Meine Empfehlung ist, zu klären, was man mit seiner Lebenszeit tun möchte. Der Erfolg kommt, wenn man sich dafür ohne Wenn und Aber einsetzt. Wir müssen nicht um Erlaubnis fragen, oder gar bitten. Karriere machen ist relativ. Die höhere Position per se macht nicht glücklich. Es gibt überall interessante Menschen und Aufgaben. Wir leben in wunderbaren Zeiten, in denen jeder, zumindest in der westlichen Welt, selbstbestimmt leben kann. Das Internet eröffnet uns jede denkbare Möglichkeit. Um das alles nutzen zu können, muss die innere Denkwelt dafür offen sein. Alte ausgediente Glaubensätze, Prinzipien und Klischees müssen durch einen ordentlichen gedanklichen Hausputz entfernt werden.

Wie erleben Sie Männer und Frauen in Ihrer Arbeit als Coach für Führungskräfte? Was sind typische Themen, Verhaltensmuster, Missverständnisse, …?

Frauen denken viel mehr über Beziehungen nach, die guten und die schlechten. Sie haben zudem typischerweise Themen wie Perfektionismus, Überarbeitung, Lebensretter sein und nicht „Nein-sagen-können“. Sie tragen in sich oft das Mann-Frau-Thema, vor allem dann, wenn die Beziehung zum Vater belastet ist. Zusätzlich schwebt das Thema Alter über allem. Erst geht es um die biologische Uhr, dann um die Angst vorm Älterwerden. Ein etwaiges Mutter-Thema bei einer Frau führt oft dazu, dass sie sich selbst für andere aufopfert und sich nicht ausreichend lieben kann. Frauen werden durch den Mangel an Mutterliebe in den ersten Lebensjahren im Kern ihres Wesens geschwächt.

Und wie sieht es bei den Männern aus?

Bei Männer sind die wichtigsten Themen verbunden mit der Karriere und mit Führungsaufgaben. Die Beziehung zum Vater hat an der Stelle weitreichende Konsequenzen. Hier geht es um den Umgang mit Macht, um den Zugang zu den eigenen Emotionen und zur Intuition und um die Fähigkeit, Erfolg zu haben. Männer werden in erster Linie durch den Mangel an Anerkennung durch den Vater im Kern ihres Wesens geschwächt.

Und wie lassen sich diese Themen lösen?

Beide Geschlechter leiden gleichermaßen unter Beziehungen, privat und beruflich, die sie nicht greifen und einordnen können. Wenn wir dann gemeinsam schauen, dann merken wir, dass diese Beziehungen keine gesunden Charakteristika aufweisen. Ich helfe ihnen, zu sehen, was wirklich ist. Eine Lösung ist erst möglich, wenn man die Dinge beim Namen nennt, sich positioniert und sich entsprechend verhält. Hier schließt sich der Kreis zu den o.g. Charakterstörungen. Vielen Menschen wird früh beigebracht, nicht über andere zu urteilen. Das erschwert leider manchmal die Lösung.

Welchen Rat geben Sie den Männern und Frauen bezüglich ihres Karriereweges?

Ich plädiere dafür, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, und nicht wie man sie gerne hätte oder wie sie sein müssten. Dafür ist geistige Präsenz und die innere Ausgeglichenheit notwendig. Das wiederum ist verbunden mit einem regelmäßigen Aufräumen der inneren Bibliothek. Erst dann hat man den klaren Blick und kann neu und frisch denken. Das gilt übrigens nicht nur für das Berufsleben.

Mit einer Entscheidung setzt man die klare Intention. Dadurch werden oft enorme Ressourcen frei, die man in der Gestaltung der gewählten Variante verwenden kann.

Wir selbst gestalten unseren Lebenskontext. Mit etwas Disziplin und Bewusstsein geht es leichter und gezielter. Der gesunde Menschenverstand, ausreichend Selbstliebe und das Beachten des eigenen Bauchgefühls sind dabei die geeignetsten Ratgeber. Das gilt für beide Geschlechter, für den Mann und für die Frau.


Peggy Schuhmann: "Wir müssen uns endlich vom konservativen Frauenbild lösen"

Peggy Schuhmann (geb. 1976) ist Chief Operations Officer (COO) / Site Lead bei der GGS Management GmbH in Berlin. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Lösungen im Bereich Telefon- und Büroservice, Webentwicklung sowie Marketing-Dienstleistungen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen vorallem im Leadership, Entrepreneurship, Strategy und Customer Service mit einer bisherigen Führungsverantwortung von bis zu 200 Mitarbeitern. Wir haben mit Ihr gesprochen:


Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst und inwiefern?
… die Entscheidung, nach mehr als 8 Jahren in einer großen, etablierten Organisation in ein Startup zu wechseln. Dafür musste ich aus meiner Komfortzone heraus, denn in einem Startup bin ich ständig gefordert in kurzer Zeit zu improvisieren und unkonventionelle, kreative Lösungswege zu entwickeln. Aber mein Mut wurde belohnt, es war eine gute Entscheidung. Das Handwerkszeug etablierter Strukturen mit dem agilen Spirit der Startup Szene zu verbinden ist eine unschlagbare Synthese.

Gleich oder unterschiedlich? Wie erleben Sie die Behandlung und die Zusammenarbeit von Frauen und Männern im beruflichen Umfeld?
Ein großer Unterschied liegt in der Kommunikation. Männer formulieren kurz und knapp, Frauen sprechen sich aus. Männer stehen oft und gerne im Wettbewerb, Frauen versuchen, Kompromisse zu finden. Was männliche und weibliche Führungskräfte gemein haben, sind ihr Ehrgeiz und ihre Visionen, Ziele zu erreichen – lediglich der Weg dahin ist ein anderer. Generell müssen sich Frauen viel mehr beweisen. In Vorstellungsgesprächen zum Beispiel wurde ich oft gefragt, wie ich mich gegenüber meinen Mitarbeitern durchsetze. Ich glaube, dass diese Frage keinem Mann gestellt wird.

Welche Erfahrungen machen Sie als Frau in Führungsposition?
Die Entscheider sind überwiegend männlich. Leider gibt es wenige weibliche Sparringspartner in Führungspositionen. Deshalb hole ich mir bei wichtigen Themen einen männlichen Coach oder Mentor an die Seite. Mit ihm spreche ich wichtige Entscheidungen oder Ereignisse vorab durch, denn die Kommunikation und das Sender-Empfänger-Thema sind geschlechterspezifisch oft so unterschiedlich. Männer schauen ganz anders, sachlicher auf die Dinge.

Do and Don’t: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Mein Rat ist, risikobereit zu sein, selbstbewusst und manchmal auch hart. Frauen trauen sich viel zu wenig zu. Sie schauen auf eine Stellenausschreibung und sehen, was sie alles nicht 100prozentig erfüllen. Männer picken sich das heraus, was sie können und den Rest werden sie schon hinbekommen. Diese Haltung habe ich mir ein Stück weit von den Männern abgeschaut. Also, Ladys: seien Sie selbstbewusst und glauben Sie an sich. Wenn wir immer nur das machen, was wir schon können, kommen wir nicht weiter. Es sind gerade die Herausforderungen, die uns wachsen lassen, wenn wir uns ihnen stellen. Aber auf keinen Fall sollte eine Frau männliche Führungseigenschaften kopieren, sondern auf Augenhöhe gehen.

Was können Unternehmer besser machen?
Sie sollten sich unvoreingenommen auf Frauen in Führungspositionen einlassen und keinen Stereotypen folgen. Sie sollten deren Potenziale erkennen, Leistung anerkennen und diese vor allem fördern… und sich endlich von dem klassisch, konservativen Frauenbild lösen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung, erfolgreich zu sein/zu bleiben?
Die Definition von Erfolg an sich spielt dabei eine große Rolle. Für mich ist es nicht die Hierarchie über die sich Erfolg definiert. Es ist vielmehr der Grad, sich in der Position verwirklichen zu können und etwas zu bewegen. Ich versuche dieser Philosophie zu folgen. Es ist eine große Herausforderung und bedarf Vertrauen in das eigene Knowhow und die Chance, dieses auch entfalten zu können. So ein Unternehmen muss man erst einmal finden. Aber wenn man es gefunden hat, dann ist die Tätigkeit extrem befriedigend und die beste Voraussetzung für anhaltenden Erfolg.

Zurückgedacht: Was wollten Sie früher werden und wie stehen Sie heute dazu?
… in erster Linie glücklich. Dazu gehört auch, dass ich mich in meinem Job wohl fühle und er mich ausfüllt. Einen klassischen Berufswunsch gab es komischerweise nicht.

Mit Ihren Worten: Was wollen Sie außerdem gerne zum Thema Frauen und Karriere sagen/raten/sich wünschen…?
Verwirklichen Sie ihre Träume und Wünsche und setzen Sie ihre Ziele konsequent um. Zweifeln Sie nicht, seien Sie taff und geben Sie nicht auf. Nehmen Sie Rückschläge als Ansporn, nicht als Entmutigung.


Kristin Rosenow

Kristin Rosenow: „Viele Konflikte zwischen Männern und Frauen sind konstruiert“

Kristin Rosenow: (Jahrgang 1977), Chefredakteurin der Fachzeitschrift SQUT, Coach, Freiberufliche Texterin, ehem. Oberleutnant bei der Bundeswehr
Branchen: Agentur, Dienstleistung, Beratung
Verantwortlich für: bis zu 20 Mitarbeiter
Tätigkeitsschwerpunkte: Steuerung und Verantwortung von Redaktion, Layout und Vertrieb sowie Betreuung der Werbenetzwerkpartner, Wahrnehmung repräsentativer Aufgaben


Sie sind Chefredakteurin der Fachzeitschrift SQUT. Welche Erfahrungen machen Sie als Führungskraft?
Ich möchte vorweg sagen: Ich habe mich nicht als Chefredakteurin, also als Führungskraft, beworben, sondern als Redakteurin für ein Ressort angefangen. Ich bekam immer mehr Verantwortung und wurde schließlich stellvertretende Chefredakteurin, dann Chefredakteurin. Was will ich damit sagen? Ich habe mich reingehängt, es gut gemacht und mich hochgearbeitet. Mein Geschlecht hat dabei definitiv keine Rolle gespielt.
Eine Führungskraft wird man, weil man erstens Ahnung vom Thema hat und zweitens, weil andere sich von einem führen lassen. Oft zeigt sich das schon in der Schul- und Ausbildungszeit. und setzt sich im Berufsleben fort. Man sieht schnell, wer Verantwortung übernimmt, Klassensprecher wird, Streitereien schlichtet usw.

Sie waren fast 12 Jahre als Offizier bei der Bundeswehr und danach 5 Jahre Führungskraft. Hatten Sie mal das Gefühl, anders behandelt zu werden als die Männer?
Ja, schon. Allerdings anders, als Sie vermutlich denken. Als ich 2001 in die Bundeswehr eintrat, gehörte ich zum ersten Jahrgang mit Frauen in der Offizierslaufbahn. Da gab es plötzlich neue Vorschriften und teilweise fragwürdige Aktionen: Es mussten immer alle Dienstzimmertüren aufbleiben, die Damendusche bekam im Eingangsbereich noch einen extra Sicherheitsvorhang, naja und all so Kram. Es gab sogar Unterricht über Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Männern und Frauen. Nach der ersten Dienstwoche stand plötzlich der Wehrbeauftragte des Bundestages auf der Matte. Er erkundigte sich, ob alles schick wäre und ob wir noch was bräuchten. Unsere Jungs wurden das nicht gefragt… Den daraus folgenden Unmut können Sie sich wohl vorstellen. Alle weiblichen und männlichen Rekruten haben diese unterschiedliche Behandlung gar nicht verstanden. Wir kamen alle vom Gymnasium, von der Uni, aus Sportvereinen – da war das gemeinsame Leben, Lernen und Arbeiten von Männern und Frauen völlig selbstverständlich.

Heißt dass, es wurde viel Energie für unnötige Aktionen verschwendet?
So kann man es sagen. Unnötig vor allem, weil das einfach nur einen Keil zwischen das eigentlich unkomplizierte Verhältnis der Männer und Frauen trieb. Übrigens: Auch die sogenannte Gleichstellungsbeauftragte in Kasernen darf nur eine Frau sein und nur von Frauen gewählt werden. Sie soll aber für alle Belange der Gleichstellung zuständig sein, also auch für die Themen der Männer. Ich finde das absurd. Warum gibt es für dieses Amt nicht eine Frau und einen Mann? Noch heute reagiere ich also sehr allergisch auf Bemühungen, Frauen gleicher zu machen.

Dann bringen Sie manche Stellenanzeigen mit dem Satz: „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt.“ vermutlich auf die Palme?
Ja! Also was ist denn das für eine Botschaft? Ich finde: Möge der Beste gewinnen und nicht der mit den meisten X-Chromosomen. Dieser und all die anderen Gleichstellungs-Ansätze haben meiner Meinung nach einen negativen Effekt, der hoffentlich so nicht geplant war: Die Frau wird explizit hervorgehoben als gehöre sie zu einer Randgruppe, eine schwache Spezies, die gefördert werden muss. Ich finde das eher erniedrigend für jede selbstbewusste Frau und es torpediert jegliche Anstrengungen der echten Gleichbehandlung.

Werden Männer nicht auch oft bevorzugt behandelt?
Mir fiele dazu kein Beispiel ein. Ich kann sagen, dass ich bisher – einschließlich Bundeswehr – nur in Unternehmen gearbeitet habe, in denen beispielsweise Gehälter nicht an das Geschlecht gekoppelt waren. In keiner Hierarchieebene. Bundeswehr ist hier ein positiv-Beispiel. Da gibt es eine Besoldungstabelle, die berücksichtigt den Dienstgrad, das Dienstalter und ob man Kinder hat – mehr nicht!
Wer hingegen z. B. als Freelancer oder Top-Manager Tagessätze aushandelt, der muss geschickt verhandeln, egal ob Mann oder Frau. Auch hier zählt meiner Erfahrung nach Leistung und eigener Marktwert. Wenn ein Unternehmen mich wirklich haben will, dann rufe ich einen (realistischen) Preis auf und entweder man einigt sich, oder nicht. Und sonst fiele mir jetzt einfach kein Beispiel ein, wo oder wie man Männer bevorzugen könnte.

Sie verfolgen die Diskussionen über Frauen, Männer und Karrierechancen sehr kritisch. Was stört Sie an dem Thema am meisten?
Am meisten stört mich, dass mit so vielen Klischees gearbeitet wird. Ich habe oft den Eindruck, man möchte sich hier und da mit dem Thema positionieren, sozusagen auf der Welle mitsurfen. Da werden von Unternehmen, Politikern oder anderen Verantwortlichen immer und immer wieder die gleichen platten Phrasen ausgepackt, um zu zeigen, dass man sich dieses Thema ja schließlich auch auf die Fahnen geschrieben hat. So sind Männer immer „sachliche Pragmatiker“ und Frauen „kommunikative Herdentiere“. Auf solchen Klischees werden dann Bemühungen und Regelungen aufgebaut. Zudem werden viel zu oft Themen konstruiert und Konflikte aufgemacht, wo meiner Meinung nach keine sind.

Haben Sie dazu konkrete Beispiele?
Ein Beispiel ist das wilde „Gendern“ in unserer Sprache. Da habe ich doch wirklich Forderungen gelesen, neben dem „Gast“ müsse es auch eine „Gästin“ geben und es sei unerträglich, dass „der Mensch“ nicht etwa „die Menschin“ an seiner Seite hat. Im Ernst – das macht manchen Sorgen?

Welche Themen sollten stattdessen diskutiert werden?
Naja, statt sich über Kleiderordnungen, Kommunikationsverhalten und getrennte Klos den Kopf zu zerbrechen, brauchen wir pragmatische Lösungen – für Männer und Frauen. Ich denke zum Beispiel, dass die Arbeitgeber durchaus zu Dingen wie Elternzeit, Teilzeit oder Homeoffice bereit sind und so Eltern ermöglichen, ihrem Beruf nachzugehen. Jedoch steht uns hier das Gesetz massiv im Weg. Unser Arbeitsrecht war in Ansätzen mal gut gemeint und schießt heute nur noch übers Ziel hinaus. Und zwar so sehr, dass sich Arbeitgeber scheuen, Frauen einzustellen, weil sie sie sozusagen „nicht mehr loswerden“. Da stehen dann Gleichbehandlungsgesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz oder Sozialgesetz viel zu weit über dem unternehmerischen Interesse. Ganz provokant gefragt: Wenn ich als Unternehmer keine Entscheidung mehr aus betriebswirtschaftlichen Gründen treffen kann, sondern diverse sogenannte „schützenswerte Personengruppen“ ausschlaggebend sind, warum soll ich mir dann solche Mitarbeiter aufhalsen? Ich würde also gar nicht immer so sehr mit dem Finger auf die Unternehmen zeigen, sondern die Politik zurückpfeifen, die gut Gemeintes leider ganz schlecht macht und Unternehmer damit knebelt.

Warum schaffen deutlich weniger Frauen den Sprung in die Führungsetage?
Wollen überhaupt so viele Frauen in Führungspositionen? Oft bedeutet dies, dass man sich zwischen Familie und Karriere entscheiden muss. Womit wir wieder beim Thema wären. Und noch eine Frage: Liegt die Ablehnung für eine Führungsposition wirklich am Geschlecht? Wer es nicht auf den anvisierten Posten schafft, sollte sich fragen, ob er/sie wirklich qualifiziert genug dafür ist ehe die Gleichstellungskeule ausgepackt wird.

Was können Sie der ganzen Gleich oder Nicht-Gleichstellungsdebatte an Positivem abgewinnen?
Die Politik gerät unter Druck, etwas zu machen. Da sind viele Hampeleien dabei, aber immer auch die ein oder andere echt gute Sache. Elterngeld und ordentliche Kinderbetreuung zum Beispiel. Und ich hoffe, die Debatte führt dazu, dass es irgendwann alle Leid sind, zu diskutieren.

Was können Frauen und Männer besser machen, um nicht in die geöffnete Schublade zu springen?
Durchatmen! Ich bin umgeben von einem Netzwerk aus Frauen, die alle ihren Weg gehen. Ärztinnen, Software-Spezialistinnen, Hebammen, Polizistinnen, Lehrerinnen, Promovierte, Unternehmerinnen, Verheiratete mit und ohne Kindern, Alleinerziehende, Singles. Ich glaube, die haben alle nie gejammert, dass sie als Frau doch so benachteiligt sind, weil sie es nämlich auch nicht sind. Die haben’s einfach gemacht! Schule, Ausbildung, Job, Karriere. Keine von denen ist feministische Aktivistin oder anderweitig auf großem Weltbelehrungskurs unterwegs.

Und die Unternehmen?
Unternehmen sollten transparente Auswahlverfahren haben. Das wäre win-win: Sie geraten nicht unter Beschuss, wenn sie einen Mann statt einer Frau einstellen und die Kandidaten können die Entscheidungen besser nachvollziehen. Zudem, wenn man mal auf die von Ihnen genannte Problematik eingehet, dass zu wenig Frauen überhaupt für Führungspositionen zu finden sind: Bedingungen schaffen! Einen Homeoffice-Arbeitsplatz einzurichten, wenn die Job-Aufgaben an sich es ermöglichen. Außerdem sollte man es vermeiden, das Frausein als ein „trotzdem“ immer hervorzuheben. „Als Frau haben Sie das wirklich gut gemacht ...“ oder „Für eine Frau kann die echt gut anpacken ...“ Das sind lediglich als Lob getarnte Beleidigungen, egal ob bewusst oder unbewusst.

Ihr Schlusswort …
Meine Ansichten zu der Thematik mögen dem ein oder anderen recht hart vorkommen, gerade weil ich selber eine Frau bin. Aber im Grunde hat das alles einen bestimmten Hintergrund: Am liebsten wäre es mir, keinen Diskussionsbedarf dazu zu haben. Es ist nicht nur anstrengend und hält mich von meiner Arbeit ab, es verkompliziert die Situation auch oft, weil es Unterschiede und Konflikte impliziert wo keine sind und Gleichbehandlung als etwas Besonderes hervorhebt. Es sollte aber genau das nicht sein, sondern eine Selbstverständlichkeit. Seid nett zueinander, Männer und Frauen, seid fair als Vorgesetzte, seid ehrlich zu Euch selbst als Unterlegene, seid stolz als Gewinner. Ich bin überzeugt, dass die Schlüssel zu allem im Leben auf weniges herunterzubrechen sind: Disziplin, Vernunft, Fairplay – und das gilt für alle gleichermaßen.


Als "Quotenmann" auf der Women & Work

Oliver, du warst zum ersten Mal auf einer Karrieremesse für Frauen, auf der „Women & Work“ in Bonn. Wie war es für dich inmitten von so vielen Frauen?

Ich bin ja mit dem Bewusstsein dorthin gegangen, dass es eine spezifische Frauenmesse ist. Im Grunde war sie für mich wie jede andere Messe, nur mit einem höheren Frauenanteil. Ich wurde nicht komisch angesehen, durfte eine offene Atmosphäre erleben; ich habe mich durchaus wohl und willkommen gefühlt.

Und so empfindest du jede Messe?

Zugegeben, es gibt einen Unterschied. Die Atmosphäre ist angenehmer und unkomplizierter. Die meist auf Messen vorherrschende männliche Energie ist nicht da und damit auch nicht dieses konkurrierende Verhalten, wie es im Job unter Männern oft der Fall ist. Ich glaube, für die Frauen in ihrer beruflichen Orientierungs- und Bewerbungsphase ist das angenehmer. Die Atmosphäre auf der Women & Work habe ich als authentisch und ein ganzes Stück weit souveräner im Aufeinander-zugehen und Ins-Gespräch-kommen erlebt.

Konntest du mit den Vorträgen und Diskussionen auf der Messe etwas anfangen?

Es war schon sehr interessant. Ich habe eine Reihe von Anregungen und wichtigen Reflektionen erfahren. Ich war aber auch teilweise überrascht, wenn Frauen darüber sprechen, was Männer denken. Da ist zwar viel Wahres dabei, aber auch viel Schubladendenken.

Was hat dir nicht gefallen?

Es bringt nichts, Plattitüden und Klischees zu befeuern. Es sollten Brücken zwischen Männern und Frauen gebaut werden. Wir brauchen keine Grabenkrieger, sondern Brückenbauer. Das mache ich als Personalberater mit Empathie und Sensibilität und zwar auf der Kandidaten- und auf der Unternehmensseite. Es ist wichtig, immer individuell auf die Position und die Bewerber zu schauen, zu beraten und Lösungswege anzubieten.

Was hältst du generell von Messen speziell für Frauen?

Grundsätzlich bin ich nicht für „Frauen- und Männermessen“. Ich kenne diese Thematik so in meinem Berufsalltag auch nicht. Ich besetze Fach- und Führungskräfte und suche Kandidaten aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation und ihrer Persönlichkeit. Da spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber mir ist natürlich bewusst, dass das Thema Frauen und Karriere seit vielen Jahren diskutiert wird. Eine Messe kann Ideen liefern, Lösungsansätze bieten, neue Wege anregen und fördern. Insofern ist es eine gute Plattform, um sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen, um den Wunsch-Job zu kommen.

Was ist für dich das Kernthema?

Bisher wurde noch kein Königsweg gefunden, wie man zum Beispiel ein ausgewogeneres Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften bekommt. Vermutlich gibt es diesen einen Weg auch nicht.

Erlebst du als Personalberater dieses ungleiche Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen?

Ja, natürlich. Ich weiß von unseren Auftraggebern, dass es zu wenige weibliche Führungskräfte in den meisten Unternehmen gibt und auch wenn sie das ändern wollen, haben sie Probleme, Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Es gibt einfach zu wenige Bewerberinnen. Was nicht heißt, dass es zu wenige qualifizierte Frauen gäbe. Wir müssen alle aktiver werden: die Geschäftsführung, Vorstände, die Personalabteilung etc. aber auch die Frauen selbst.

Was sollten Frauen besser machen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen?

Da sind es tatsächlich klassische Themen. Wenn ich potenziellen Kandidatinnen auf eine Fach- oder Führungsposition anspreche, erlebe die meisten Frauen als eher zurückhaltend. Erfüllen sie nicht 100 Prozent der Anforderungen, die in einer Stellenbeschreibung aufgelistet sind, zweifeln sie und meinen sie können sich nicht bewerben. Ein Mann bewirbt sich häufig, selbst wenn er gerade 50 Prozent, abdeckt, ihn die Position einfach reizt. Das ist ein möglicher Erklärungsansatz, warum es zu wenige Bewerberinnen gibt. Wenn ich meinem Mandanten fünf Kandidaten vorstelle, habe ich mit Glück eine Frau dabei. Das muss sich ändern.

Da wir Frauen gezielter ansprechen und beraten, vermitteln wir tendenziell viele in Fach- und Führungspositionen, auch in männerdominierten Branchen. Diesen Anteil wollen wir weiter erhöhen. Auch dafür gibt es auf unserer Webseite Women in Work einen Beitrag zum Thema.

Was sagst du den Frauen, wenn sie sich eine Bewerbung nicht zutrauen, obwohl sie für die Position qualifiziert sind?

Stellenprofile sind idealtypische Wunschlisten. Kaum ein Bewerber erfüllt alle Anforderung. Frauen entscheiden sich oft schon beim Lesen der Jobbeschreibung dagegen. Männer finden danach erst einmal heraus, was konkret hinter der Position steckt. Ich kann nur raten, dass die Frauen sich ab und zu von ihren hohen Ansprüchen an sich selbst lösen. Sie brauchen mehr Mut, solche Positionen anzugehen und sollten es einfach versuchen. Als Personalberater haben wir einen entsprechenden Beratungsauftrag: nämlich den Kandidaten diese (Selbst)zweifel zu nehmen.

Welches Fazit ziehst du für dich und deine Beratungsarbeit nach dem Messebesuch?

Die Messe hat mich bestätigt und bestärkt, dass Frauen für Fach- und Führungspositionen anders angesprochen und beraten werden wollen und müssen als Männer. Bei aller Gleichheit, die wir anstreben, gibt es Unterschiede in der Ansprache und Beratung von Männern und Frauen. Diese zu (er)kennen und umzusetzen, macht eine erfolgreiche Vermittlung aus.

Dieser zusätzliche Fokus ist nun auch auf unserer Webseite www.womeninwork.de sichtbar. Damit können sicher nicht alle etwas anfangen. Am Ende spielt es für mich keine Rolle von welcher Seite man an das Thema herangeht. Es geht darum, Positionen mit qualifizierten Menschen zu besetzen – egal, ob Mann oder Frau.